Bildungssystem der DDR

Bildungssystem der DDR

Bildungssystem der DDR

sueddeutsche.de/AFP: So war es in der DDR

„In der Bildungspolitik sind über Jahrzehnte, insbesondere in der alten Bundesrepublik, massive Fehler gemacht worden“, sagte CDU-Parteichefin Angela Merkel. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Bildungspolitiker der Deutschen Demokratischen Republik haben es zumindest besser gemacht. Merkel muss es wissen – sie ist im Osten aufgewachsen. Genau wie Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie, ein Befürworter der Schulreform. So funktionierte das Schulsystem in der DDR:

VORSTUFE: Die meisten Kinder in der DDR gingen, häufig schon im Alter von wenigen Monaten, in die Kinderkrippe und ab etwa drei Jahren in den Kindergarten. Vor allem Krippenplätze sind in der Bundesrepublik rar; besonders im Westen gibt es für unter Dreijährige nur sehr wenige Betreuungsplätze in einer Tageseinrichtung.

POLYTECHNISCHE OBERSCHULE: Im Gegensatz zum dreigliedrigen Schulsystem der Bundesrepublik aus Haupt-, Realschule und Gymnasium, die sich der Grundschule anschließen, basierte das DDR-Schulwesen auf Einheitlichkeit. An die Vorschulerziehung im Kindergarten schloss sich die zehnjährige Polytechnische Oberschule (POS) an. In den ersten vier Jahren wurden Grundlagen wie Deutsch, Mathematik, Musik, aber auch Schulgarten und Werken unterrichtet.
Nach dem Unterricht gingen die meisten Kinder in den Schulhort. Nach der vierten Klasse kamen Russisch, Geschichte und Naturwissenschaften hinzu. Ab Klasse sieben konnte freiwillig eine zweite Fremdsprache, Englisch oder Französisch, erlernt werden.
Besonders leistungsschwache Schüler konnten die POS nach der achten Klasse verlassen. Angestrebt wurde aber, alle Schüler bis zur zehnten Klasse durchzuziehen.

ERWEITERTE OBERSCHULE: An die Erweiterte Oberschule (EOS) wurden leistungsstarke Schüler nach acht beziehungsweise zehn Jahren POS delegiert. Wer früher wechselte, machte dort wie alle Schüler nach der zehnten Klasse die Abschlussprüfung. Nach insgesamt zwölf Schuljahren wurde das Abitur abgelegt.

Einige Bundesländer wie Sachsen-Anhalt und Niedersachsen kehren heute wieder vom dreizehn-zum zwölfjährigen Abitur zurück. Alternativ zur EOS gab es in der DDR auch die dreijährige Berufsausbildung mit Abitur. Die Auswahl für die EOS war freilich auch politisch motiviert; manchen Schülern, die als nicht ideologisch konform galten, wurde der EOS-Besuch verwehrt.

SPEZIALISIERUNG: Bei besonders guten Leistungen konnten Schüler auf eine Spezialschule geschickt werden. Nach der zweiten Klasse konnten Kinder in eine so genannte Russischklasse wechseln, wo sie zwei Jahre vor allen anderen die Sprache erlernten; auch Englisch lernten sie bereits früher. Darüber hinaus gab es Spezialschulen mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung sowie Sport- und Musikspezialschulen.

KOPFNOTEN: Auf jedem Zeugnis standen so genannte Kopfnoten für Betragen, Fleiß, Ordnung und Mitarbeit. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder über die Wiedereinführung dieser Noten heftig diskutiert. Unter anderem hat Sachsen die Kopfnoten inzwischen wieder eingeführt.

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